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Befragungsmethode, welche unter
Experten verschiedener Fachbereiche
schriftlich durchgeführt wird. Es wird dabei nach dem Eintreffen
bestimmter Zukunftsereignisse oder nach der Beurteilung von
Entwicklungstrends gefragt.
Das Verfahren basiert auf dem individuellen und intuitiven Urteil der
Fachexperten. Es basiert im Grunde auf zwei Grundannahmen. Auf der
einen Seite wird davon ausgegangen, dass Experten in ihrem Fachgebiet
über besonders viel Wissen verfügen und somit sehr gute
Schätzungen über mögliche Entwicklungen abgeben
können. Darüber hinaus nimmt man an, dass Experten ihre
Schätzungen auf der Basis von "guten" sowie "schlechten"
Informationen abgeben. Durch einen entstehenden
Rückkopplungsprozess durch die Information der Teilnehmer
über die Gruppenantwort wird deshalb versucht, den
Gruppenmitgliedern die Möglichkeit einer Überprüfung
bzw. eines Vergleiches ihrer Aussagen zu geben. Durch die wiederholte
Befragung soll die Spannbreite der Expertenmeinungen verringert und
eine Konvergenz der Expertenmeinungen angestrebt werden.
Einsatzgebiet
Ein typischer Bereich der Anwendung der Delphi-Methode ist die
Bestimmung von Entwicklungsprognosen im Technologiebereich. In diesem
Zusammenhang ist die Delphi-Methode der Trendforschung zuzuordnen. Als
Prognosegegenstand eignen sich eher langfristige und komplex zu
lösende Probleme. Oft betrachten Delphi-Befragungen einen
Prognosezeitraum von 10 oder mehr Jahren. Durch die Delphi-Methode
erhaltene Beschreibungen zukünftiger Entwicklungen können
beispielsweise auch als Grundlage für eine Bestimmung von
Zukunftsszenarien mit Hilfe von Szenario-Analysen eingesetzt werden.
Unter der Bezeichnung Ideen-Delphi kann diese Methode auch zur
Ideengenerierung oder Ideenbewertung durch Experten eingesetzt werden.
Eine wichtige Voraussetzung für die Durchführung der
Delphi-Methode stellt die sorgfältige Auswahl von Experten dar.
Dabei ist es wichtig, Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen
einzubeziehen, die ein Expertenurteil zu der zu untersuchenden
Fragestellung abgeben können.
Die Bereitschaft der Experten zur Mitwirkung über den gesamten
Ablauf der Methode muss im Vorfeld sichergestellt sein.
Da die Erhebung der Expertenurteile der Regel in Form einer
schriftlichen Befragung erfolgt, muss zunächst ein Fragebogen
erstellt werden, der die relevanten Befragungsinhalte abdeckt und -
insbesondere bei Experten aus verschiedenen Disziplinen - zum Teil
unterschiedliches Hintergrundwissen berücksichtigt.
Vorgehen bei der Standard-Delphi-Methode:
Die Ablaufschritte bei der Standard-Delphi-Methode sind:
1. Der Projektleiter schildert jedem Experten das Projektvorhaben und
händigt ihm ein Schätzformular aus.
2. Jeder Experte füllt getrennt das Formular aus. Dabei
dürfen Fragen lediglich mit dem Projektleiter besprochen werden.
Eine Diskussion zwischen den Experten ist nicht gestattet.
3. Projektleiter analysiert die Angaben. Falls Schätzwerte eines
Paketes stark voneinander abweichen, werden diese mit Kommentar auf
einem neuen Formular erfasst.
4. Das neue Formular wird erneut zur selbständigen
Überarbeitung an die Experten gereicht.
5. Die Schritte 2-4 werden so lange wiederholt, bis die gewünschte
Annäherung der Ergebnisse erreicht ist oder der Projektleiter die
Ergebnisse akzeptiert.
6. Der Durchschnittswert der letzten Überarbeitung der Ergebnisse
aller Aufgabenpakete stellt das endgültige Schätzergebnis dar.
Breitband-Delphi-Methode:
Die Breitband-Delphi-Methode ist dadurch gekennzeichnet, dass zu Beginn
und zwischen jeder Interaktion gemeinsame Sitzungen abgehalten werden,
in denen die Schätzaufgaben und das Zwischenergebnis der
vorausgegangenen Schätzrunde miteinander diskutiert
werden.Folgende Schritte werden bei der Breitband-Delphi-Methode
durchlaufen:
1. Der Projektleiter schildert jedem Experten das Projektvorhaben und
händigt ihm ein Schätzformular aus.
2. Vom Projektleiter wird eine Sitzung einberufen, in der die Experten
miteinander unter Moderation des Projektleiters die zu erstellende
Aufwandsschätzung diskutieren.
3. Anschließend füllt jeder Experte getrennt das Formular
aus.
4. Der Projektleiter fasst die einzelnen Schätzaussagen in einem
Formular zusammen, begründet die Angaben und Unterschiede
allerdings nicht. Das Formular wird wieder an alle Experten verteilt.
5. Der Projektleiter beruft eine Sitzung ein, in der vor allem die
großen Abweichungen einzelner Schätzungen diskutiert werden.
6. Die Experten überarbeiten ihre Ergebnisse selbständig und
übergeben diese dem Projektleiter.
7. Die Schritte 2-5 werden solange wiederholt, bis die gewünschte
Annäherung erreicht ist oder der Projektleiter die Ergebnisse
akzeptiert.
8. Der Durchschnittswert der letzten Überarbeitung der Ergebnisse
aller Aufgabenpakete stellt das endgültige Schätzergebnis dar.
Handlungsanleitung
Wie viele Teilnehmer zur Durchführung der Delphi-Methode
benötigt werden, hängt sehr stark von der zugrundeliegenden
Themenstellung ab und kann daher nicht allgemein angegeben werden. Es
gibt Beispiele von Delphi-Studien, die mit sieben Teilnehmern
durchgeführt wurden. Üblich ist jedoch eher eine Beteiligung
von 50 bis 100 Experten.
Zwischen der Aussendung der schriftlichen Fragebogen und der Auswertung
der (Zwischen-) Ergebnisse muss in der Regel ein Zeitraum von
mindestens 2-4 Wochen eingeplant werden, um den beteiligten Experten
ausreichend Zeit zur Einschätzung der zu untersuchenden
Sachverhalte zu geben.
In Form des Ideen-Delphi als Form des Brainwriting können
Expertenurteile zur Ideenfindung oder -bewertung eingesetzt werden.
Basierend auf dem Prinzip der intuitiven Assoziation werden die
Experten nach Lösungsideen zu bestimmten Problemstellungen
gefragt, die anschließend zusammengefasst und den Experten zur
erneuten Beurteilung und als Ansatzpunkt für die
(Weiter-)Entwicklung (neuer) Ideen wieder vorgelegt werden.
Hierzu wird eine Gruppe von 5 bis 20 Personen, die zuvor über den
Ablauf der Methode informiert wurden, in drei Runden schriftlich zu der
gegebenen Problemstellung befragt, wobei die Teilnehmer auch hier
anonym bleiben. Die Teilnehmer schreiben innerhalb eines bestimmten
Zeitraums (2 bis 4 Wochen) ca. 5 Lösungsansätze nieder und
geben die Liste an den Leiter zurück. Die Vorschläge werden
in einer um Mehrfachnennungen bereinigten und gegliederten Ideenliste
gesammelt und in einer zweiten Befragungsrunde den Teilnehmern gegeben.
Diese schreiben dann weitere, eventuell durch die Liste angeregte
Vorschläge auf oder versuchen, verschiedene Ideen zu kombinieren.
Auch diese Runde ist zeitlich begrenzt. In einer dritten Runde wird den
Teilnehmern die ergänzte, bereinigte und neu gegliederte Liste zur
Bewertung der Ideen, etwa durch eine Rangvergabe, vorgelegt.
Im Rahmen der Ideenfindung und -bewertung eignet sich diese Methode
besonders, wenn zur Lösung des Problems ein bestimmter
Sachverstand erforderlich ist und die entsprechenden Fachleute nicht
gleichzeitig zusammenkommen können oder auch, wenn zur Entwicklung
von Lösungsalternativen erst weitere Recherchen durchgeführt
werden müssen.
Vorteile und Nachteile:
Die Delphi-Methode ermittelt durch eine Zusammenfassung von
Expertenwissen eine Gruppenmeinung, wobei durch die Anonymität der
Teilnehmer nachteiligen Einflüsse wie sie oft bei
Gruppendiskussion auftreten, vermieden werden können. Die
Berücksichtigung und Reflexion fremder Einschätzungen ist
allerdings durch die Weitergabe der aggregierten Ergebnisse an die
Teilnehmer und das mehrfache Durchlaufen der Beurteilung gegeben. Als
problematisch bei der Prognose auf der Grundlage der Delphi-Methode
sieht man die Änderungen der Meinungen der Experten in Richtung
der vorherrschenden Meinung an, die nicht unbedingt mit dem "wahren"
Wert übereinstimmen muss. Durch die wiederholte Befragung in
Zeitabständen von mehreren Wochen stellt die Delphi-Methode eine
sehr zeitaufwendige Vorgehensweise dar. Besonders bei komplexen
Problemstellungen mit weit in die Zukunft reichenden Prognosecharakter,
für die nur bedingt auf objektive Informationen oder Daten
zurückgegriffen werden können, ist die Delphi-Methode oft
eine der wenigen überhaupt durchführbaren
Schätzmethoden. Unterstützung zur Durchführung von
Clusteranalysen bieten die meisten Statistiksoftwarepakete
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