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Die Ostsee, und der Wettlauf um Nutzungs- und Abbaurechte:
Der Abbau von Erdöl, Erdgas, Kies und Sand, der hohe Eintrag anthropogener Stoffe, neue Offshore-Windparkanlagen, die Überfischung und die schließlich natürlichen und hauptsächlich für den Sommer charakteristischen Stagnations-, und daraus resultierend, Sauerstoffmangelphasen bringen die Ostsee immer wieder an den Rand ihrer Belastungsgrenze.
Umweltverbände kritisieren, dass bei den Abbauanträgen die EG-rechtlichen Vorschriften zum Artenschutz vernachlässigt werden. Schweinswale gehören da zu den großen Verlieren. Der Schweinswal, auch Kleiner Tümmler genannt, ist in der Ostsee vom Aussterben bedroht. Ohne strikte Schutzmaßnahmen wird der nur 1,60 Meter lange, einzige in der Ostsee heimische Wal in wenigen Jahren ausgerottet sein. Umweltverschmutzung, Unterwasserlärm und die Fischerei machen ihm das Überleben schwer. Nach Hochrechnungen von Wissenschaftlern existieren in der gesamten Ostsee höchstens noch 1000 Tiere. Jedes Jahr sterben in Fischernetzen zwischen vier und sieben Prozent der Bestände im so genannten Beifang. In der Nordsee sieht die Situation im übrigen nicht viel besser aus. Die in der Pilotphase des dänischen Windparks Horns Rev beobachtete Vertreibung von Schweinswalen im Umkreis von bis zu 15 Kilometern stellt da eine weitere nach der FFH-Richtlinie unzulässige Störung der Art dar.
Es ist bedauerlich, daß sich die EU-Minister in einer Sitzung Ende März 2004 nicht auf notwendige Maßnahmen zum Schutz der Säuger einigen konnten. Gegen das deutsche Votum wurde das Verbot der Treibnetze auf das Jahr 2008 verschoben, obwohl die Vereinten Nationen seit 1992 ein weltweites Treibnetzverbot empfehlen. Es ist fraglich, ob der Schweinswal diesen Mangel an Entscheidungsmut überleben wird.
Die maßgeblichen Impulse zum Schutz der Ostsee müssen jedoch vor allem bei der Ölbekämpfung und der Abwasserbehandlung, insbesondere der Reduzierung der Phosphor- und Stickstofffracht gesetzt werden. Landwirtschaftliche sowie kommunale Abwässer, an ihrer Spitze St. Petersburg, verschmutzen derzeit den Finnischen Meerbusen und tragen zur Eutrophierung der Ostssee maßgeblich bei. Eine Abwasserkläranlage für St. Petersburg wird von Finnland schon seit Jahren gefordert und würde im Ostseeschutz einen beachtlichen Entwicklungsschritt darstellen.
Es bleibt zu hoffen, daß die Erhöhung der Zahl an Ostsee-Anrainern aus der Europäischen Union durch den Beitritt Polens, Estlands, Lettlands und Litauens den Mut gemeinsam die erforderlichen Entscheidungen zu fällen, vergrößern wird.
Weitere Informationen:
www.bund.net/lab/reddot2/
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